Standard

Factur-X

Definition

Factur-X ist der französisch-deutsche Standard für hybride elektronische Rechnungen, entwickelt gemeinsam vom französischen Verband FNFE-MPE und dem deutschen FeRD. Technisch ist Factur-X identisch mit ZUGFeRD ab Version 2.0 und basiert auf UN/CEFACT CII als XML-Syntax. Das Format wird in der Europäischen Union als De-facto-Standard für hybride B2B-Rechnungen anerkannt.

Hintergrund & Kontext

Factur-X ist die französisch-deutsche Marke für den hybriden Rechnungsstandard, der in Deutschland als ZUGFeRD bekannt ist. Beide wurden gemeinsam vom deutschen FeRD und dem französischen FNFE-MPE entwickelt und sind ab Version 2.0 technisch vollständig identisch: eine PDF/A-3-Datei mit eingebetteter, EN-16931-konformer CII-XML. In Frankreich spielt Factur-X eine zentrale Rolle bei der Einführung der obligatorischen elektronischen Rechnung (réforme de la facturation électronique), die über zertifizierte Plattformen (PDP — Plateformes de Dématérialisation Partenaires) abgewickelt wird. Wie ZUGFeRD kennt Factur-X die Profile MINIMUM, BASIC WL, BASIC, EN 16931 und EXTENDED. Der Vorteil des hybriden Ansatzes: Empfänger ohne vollautomatische Verarbeitung können das PDF lesen, während ein modernes ERP die strukturierten Daten direkt verbucht. Damit eignet sich Factur-X besonders für den grenzüberschreitenden deutsch-französischen Handel und für gemischte Empfängerlandschaften.

In der Praxis — ein Beispiel

Ein deutscher Zulieferer fakturiert an einen französischen Konzern. Er erzeugt eine Factur-X-Rechnung im Profil EN 16931: ein PDF/A-3, in das die `factur-x.xml` mit allen Pflichtfeldern (Verkäufer, Käufer, Steueraufschlüsselung, Beträge) eingebettet ist. Der französische Empfänger verarbeitet die Datei über seine PDP, die die strukturierten Daten automatisch ausliest und an die Steuerverwaltung meldet. Dasselbe Dokument wäre — mit deutscher Leitweg-ID — auch gegenüber deutschen Stellen verwendbar, weil das EN-16931-Profil länderübergreifend interoperabel ist.

Häufige Fehler

  • Factur-X und ZUGFeRD nicht als getrennte Standards behandeln — sie sind identisch; doppelte Implementierungen sind unnötig.
  • Für den französischen Markt gelten ab der Reform zusätzliche Meldepflichten (e-reporting) über PDPs, die über den reinen Rechnungsinhalt hinausgehen.
  • Niedrige Profile (MINIMUM/BASIC WL) sind auch bei Factur-X nicht EN-16931-konform und nicht rechtsgültig als vollwertige E-Rechnung.

Häufig gestellte Fragen

Ist Factur-X in Deutschland gültig?

Ja. Da Factur-X technisch mit ZUGFeRD identisch ist, gilt eine Factur-X-Rechnung im Profil EN 16931 in Deutschland als gültige strukturierte E-Rechnung nach EN 16931.

Welche Syntax verwendet Factur-X?

Factur-X verwendet UN/CEFACT CII als XML-Syntax, eingebettet in eine PDF/A-3-Datei. Es nutzt nicht UBL.

Brauche ich für Frankreich eine PDP?

Im Zuge der französischen E-Rechnungsreform wird der Austausch über zertifizierte Plattformen (PDP) bzw. das öffentliche Portal abgewickelt. Für reine Inlands-Sendungen in Deutschland ist keine PDP erforderlich.

Auf Englisch lesen:Factur-X (EN)

Verwandte Begriffe

ZUGFeRDZUGFeRD (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland) ist ein hybrides Rechnungsformat, das eine menschenlesbare PDF/A-3-Datei mit eingebetteten maschinenlesbaren XML-Daten kombiniert. Das Format wird vom Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) gepflegt und existiert in mehreren Profilen (MINIMUM, BASIC, EN 16931, EXTENDED). Es ist technisch identisch mit dem europäischen Factur-X-Standard.PDF/A-3PDF/A-3 ist eine ISO-Norm (ISO 19005-3) für die Langzeitarchivierung von PDF-Dokumenten, die im Gegensatz zu früheren Varianten (PDF/A-1, PDF/A-2) das Einbetten beliebiger Dateitypen als Anhang erlaubt. ZUGFeRD und Factur-X nutzen genau diese Eigenschaft, um die XML-Rechnungsdaten in die PDF-Datei einzubetten, sodass das Dokument gleichzeitig menschenlesbar und maschinell verarbeitbar ist.CII (UN/CEFACT Cross Industry Invoice)CII steht für Cross Industry Invoice und ist das XML-Dokumentenformat der UN/CEFACT-Organisation für Rechnungen. Es ist eine der zwei von EN 16931 zugelassenen Syntaxen neben UBL und wird von ZUGFeRD und Factur-X als Grundlage verwendet. CII-Dokumente verwenden den Namespace `urn:un:unece:uncefact:data:standard:CrossIndustryInvoice:100`.EN 16931EN 16931 ist die europäische Norm für das semantische Datenmodell einer Kernrechnung. Sie definiert die Pflicht- und optionalen Felder (Business Terms), deren Bedeutung und die Validierungsregeln, die für alle konformen elektronischen Rechnungen in der EU gelten. National implementierte Standards wie XRechnung, ZUGFeRD (EN-16931-Profil) und Factur-X müssen diese Norm erfüllen.B2B (Business-to-Business)B2B bezeichnet Geschäftsbeziehungen und Rechnungsstellungen zwischen zwei Unternehmen. In Deutschland wurde mit dem Wachstumschancengesetz (2024) die Pflicht zur elektronischen Rechnung auch für den inländischen B2B-Bereich eingeführt. Ab 2025 müssen Unternehmen E-Rechnungen empfangen können; die Pflicht zum Ausstellen wird stufenweise bis 2028 umgesetzt. ZUGFeRD und XRechnung sind für B2B zulässige Formate.